Im Garten der Gegensätze – ein kreativer Weg zur inneren Natur

Der Workshop „Im Garten der Gegensätze“ lud die Teilnehmenden dazu ein, sich mit den widersprüchlichen Kräften des eigenen Inneren auseinanderzusetzen.

Akteure: Hannah Fiand (Künstlerin), Landfrauenverein Knüll
Ort: Kunst- und Werkhof Großropperhausen

Ausgehend von Goethes berühmtem Zitat – „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ – wurde ein Raum eröffnet, in dem menschliche Ambivalenzen nicht bewertet, sondern bewusst wahrgenommen werden konnten. Denn so sehr sich viele Menschen Frieden, Glück, Harmonie und ein gelingendes Miteinander wünschen, so gehören auch unangenehme Gefühle, Enttäuschungen, Widerstände, Ängste, Trägheit oder Konflikte zur eigenen Lebensrealität. Im Zentrum des Workshops stand das Kennenlernen der eigenen inneren Landschaft. Mithilfe der Collage wurde die Wahrnehmung auf persönliche Lebensthemen und Befindlichkeiten gelenkt und zum Ausdruck gebracht. Die ästhetische Praxis diente dabei als Zugang zur inneren Welt: Der bildnerische Ausdruck wurde als Werkzeug zur Selbstwahrnehmung eingeführt und ermutigte dazu, jenseits von Sprache in Kontakt mit den eigenen Themen zu treten. Die Teilnehmenden lernten verschiedene Möglichkeiten der Collage kennen, um ihre Innenwelt zum Ausdruck zu bringen. So wurde deutlich, was im persönlichen Leben gerade Bedeutung hat und Aufmerksamkeit wünscht.

Die individuelle Arbeit wurde durch den Gruppenprozess vertieft. Die Gruppe kam in regelmäßigen Abständen im Kreis zusammen, um Erkenntnisse zu teilen, aber auch darüber zu sprechen, was im künstlerischen Prozess gerade nicht funktioniert oder schwierig ist. So entwickelte sich mit der Zeit ein spürbareres Gruppengefühl – auch gerade dann, wenn Unzufriedenheit oder Scheitern einen Platz bekamen. Geübt wurde das demokratische Sprechen mithilfe des Redestabes, der durch sein Weiterreichen jede Einzelne dazu einlädt, einen Sprachraum ohne Unterbrechung zu erhalten.

So wurde der Workshop zu einem „Garten der Gegensätze“, in dem Unterschiedliches nebeneinander bestehen durfte und innere Vielfalt nicht als Widerspruch, sondern als lebendige Ressource erfahrbar wurde.