
Projekte
Flagge zeigen! – Junge Menschen gestalten ihre Botschaften zur Demokratie
Ein Kultur.Pflanzen.Knüll-Workshop von Kristina Fiand und Anna Fenderl in Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit Homberg (Efze)
„Sie soll ausdrücken, dass die Kunst des Lebens darin besteht, dass alle Menschen in Frieden miteinander leben können“, erklärt der elfjährige Lukas. Seine Flagge zeigt eine Friedenstaube in Hellblau, Rot und Weiß.
Auch Aghil (25) wählte die Friedenstaube als Motiv und kombinierte sie mit Mondsichel und Stern. Damit möchte er deutlich machen, dass der Islam eine friedliche Religion ist und gleichberechtigt neben anderen Religionen frei gelebt werden darf. Jette und Valerie, beide elf Jahre alt, gestalteten gemeinsam eine blaue Flagge mit einem roten Herz – als Zeichen ihrer Freundschaft.
Diese und viele weitere persönliche Botschaften entstanden beim Workshop „Flagge zeigen“, an dem kurz vor den Sommerferien siebzehn Schüler*innen der Theodor-Heuss-Schule, der Montessori-Schule und des Starthilfe-Ausbildungsverbunds teilnahmen. Initiiert und geleitet wurde das Projekt von den Künstlerinnen Kristina Fiand und Anna Fenderl im Rahmen des Aller.Land-Projekts Kultur.Pflanzen.Knüll.
Die 11- bis 25-Jährigen beschäftigten sich außerhalb des Unterrichts mit der Frage, was Demokratie für sie persönlich bedeutet. Ihre Gedanken, Erfahrungen und Wünsche übersetzten sie anschließend in Farben, Formen und Symbole. Aus ersten Skizzen entstanden an der Nähmaschine individuelle Flaggen.
Zum Auftakt sprachen Eunice Njoki und Sarah Wiederhold von der Jugendarbeit Homberg (Efze) mit den Teilnehmenden über Demokratie im Alltag. Danach wurde es im MachWerk schnell farbenfroh und lebendig. Die Jugendlichen diskutierten ihre Ideen, trafen Entscheidungen, stimmten Arbeitsschritte ab und unterstützten sich gegenseitig. Demokratie wurde so nicht nur thematisiert, sondern unmittelbar erlebt.
Kristina Fiand und Anna Fenderl hatten einen großen Fundus an Stoffen, Farben und Schablonen vorbereitet. Unterstützt wurden sie von Stefanie Breiding, die den Jugendlichen bei den Näharbeiten zur Seite stand.
„Im Workshop war es mir besonders wichtig, den Teilnehmenden zu vermitteln, dass ihre Meinungen zählen und sie ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind“, sagt Anna Fenderl. „Durch das Gestalten eigener Ideen sollte außerdem eine ungezwungene Leichtigkeit im gemeinsamen Leben und Arbeiten erfahrbar werden.“
Offenheit und Vertrauen wuchsen mit jeder Stunde
Von der ersten Idee bis zur fertigen Flagge war es ein anspruchsvoller Prozess. Gleichzeitig entwickelte sich innerhalb der Gruppe schnell eine konzentrierte und vertrauensvolle Atmosphäre. Über Altersgrenzen und Schulformen hinweg kamen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch, halfen sich entsprechend ihrer Vorkenntnisse und entdeckten Gemeinsamkeiten.
„Was mir an der Arbeit mit Jugendlichen besonders gefällt, ist ihre Direktheit und Offenheit“, sagt Kristina „Tine“ Fiand, die gemeinsam mit ihrem Mann Ernst Groß den Kunst- und Werkhof in Großropperhausen betreibt. „Jeder Mensch bringt eigene Stärken und Sichtweisen mit.“
Entstanden sind ausdrucksstarke Werke, die so vielfältig sind wie ihre Botschaften: knallige und zurückhaltende Farben, glitzernde und matte Stoffe sowie genähte, gesprühte oder gestickte Elemente. Jede Flagge erzählt eine persönliche Geschichte.
Die Jugendlichen erfuhren dabei, wie sich Gedanken und Gefühle mithilfe von Farben, Abstraktion und unterschiedlichen Techniken ausdrücken lassen – und wie Kunst Botschaften auch ohne viele Worte in die Öffentlichkeit tragen kann.
Ausstellung im Jugendzentrum und auf den Efzewiesen
Am letzten Workshoptag wurden die Flaggen bei der „School’s Out Party“ im Jugendzentrum Homberg (Efze) präsentiert. Dort bleiben sie zunächst zwei Wochen zu sehen. Anschließend werden sie auf den Efzewiesen im Homberger Stadtgebiet öffentlich ausgestellt.
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